Akkuwerkzeug kaufen: Mehr Volt = mehr Wert?

Viel hilft viel – mit dieser populären Grundweisheit begeben sich viele Heimwerker und auch Profis auf die Suche nach einem geeigneten Akkuwerkzeug. Hier heißt die Devise dann abgewandelt: Je mehr Volt, desto mehr Wert. Doch diese Gleichung geht selten so auf. Denn oft gilt auch eine andere, ebenso populäre Grundweisheit: Manchmal ist weniger mehr. Denn neben der Voltzahl sind noch andere Kennzahlen entscheidend.

Akkuwerkzeug ist sowohl aus dem Heimwerkerbereich als auch aus dem professionellen Einsatz nicht mehr wegzudenken. Denn diese Maschinen haben einen ganz entschiedenen Vorteil: Sie sind kabellos und ermöglichen dem Arbeiter damit fast grenzenlose Freiheit. Er braucht sich weder um die Länge des Kabels zu scheren noch um einen geeigneten Stromanschluss, zudem besteht auch nicht die Gefahr, sich im Kabelgewirr zu verheddern. 

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten, und den Vorzügen der Akkuwerkzeuge stehen auch einige Nachteile gegenüber. Einige dieser Schwächen lassen sich bereits bei der Auswahl und dem Kauf vermeiden, sofern Sie  sich mit dem nötigen Grundwissen auf die Suche durch den Angebotsdschungel begeben.

Wichtig ist zunächst, dass Sie sich nicht nur auf die Voltzahl konzentrieren, sondern dass Sie alle drei Kennzahlen berücksichtigen:

  • Voltzahl (V) -- Spannung
  • Amperestunden (Ah) -- Leistungsdauer
  • Wattstunden (Wh) -- Leistungsfähigkeit

Was die Voltzahl verrät

Hersteller und vor allem Prospekte rücken als Verkaufsargument für ihre Akkuwerkzeuge immer wieder gerne und vorrangig die Voltzahl der Geräte in den Vordergrund:  Bei Akkuschraubern sind es dann beispielsweise 18 oder gar 24 Volt, wo andere nur mit 3, 12 oder 14 Volt aufwarten können. Damit wird suggeriert, dass eine höhere Voltzahl mehr Leistung bietet und dass somit das Gerät mit mehr Volt auch mehr wert sei.

Doch mit dieser Angabe können Sie als Käufer keine Rückschlüsse ziehen -- zumindest nicht auf den Wert und die Leistungsfähigkeit des Geräts.

Allerdings bietet Ihnen die Werbeaussage eine andere, versteckte Information, nämlich einen Hinweis auf die Anzahl der verwendeten Akkuzellen. Um dies herauszufinden, führen Sie eine ganz einfache Rechnung durch. Dazu müssen Sie zwei Dinge wissen:

  • Werkzeug-Akkus sind in der Regel keine Einzelakkus, sondern Akkupacks. Dabei werden einzelnen Akkuzellen miteinander verbunden und in Serie geschaltet. Dadurch summiert sich ihre Leistung.
  • Die Einzelzellen stellen jeweils 1,2 Volt bereit.

Ihre Rechenaufgabe lautet also nun: Voltzahl des Geräts geteilt durch 1,2 Volt ergibt die Anzahl der Einzelzellen.

Beim 10,8-Volt-Gerät sind also 9 Akkuzellen gebündelt (10,8 V / 1,2 V), ein 12 Volt-Akkuwerkzeug arbeitet mit 10 Akkuzellen (12 V / 1,2 V), ein 18 Volt-Akkugerät mit 15 Akkuzellen (18 V / 1,2 V).

Das ist also tatsächlich „mehr“, nämlich mehr Akkuzellen – und damit auch mehr Gewicht (was subjektiv auch oft mit „mehr Leistung“ gleichgesetzt wird).

Die „A“-Klasse – warum es auf die Ampere-Zahl ankommt

Neben der Voltzahl ist noch eine andere Größe entscheidend, die in der Werbung aber selten mit angegeben wird, nämlich die Amperezahl des Geräts.

Die Amperezahl wird angegeben in Amperestunden (Ah) und gibt die Kapazität (Speicherfähigkeit) des Energiespeichers an. Das können 0,8 Ah sein, aber auch 2 Ah. Das „A“ steht für die entnehmbare Kapazität, das „h“ für die Zeit, in diesem Fall Stunden. 2 Ah bedeutet, dass das Gerät eine Stunde lang mit 2 Ampere betrieben werden kann. NiMH-Zellen bieten naturgemäß bis etwa 30 Prozent mehr  Kapazität als  NiCd-Zellen.

Wichtig für Ihre Entscheidung: Je mehr Kapazität der Akku bereitstellt, desto länger können Sie damit arbeiten, ohne ihn wieder neu aufladen zu müssen.

Was Sie ebenfalls wissen sollten:

  • Billig-Akkus erwärmen sich schnell, und das bedeutet, dass sie ihre Leistung nicht mehr an den Motor des Akkuwerkzeugs abgeben, sondern an die Umwelt (sogenannte Verlustleistung oder Verlustleistungswiderstand).
  • In der Praxis halten Geräte mit einer kleineren Amperezahl länger.

Watt ihr Volt… - Das Energie-Geheimnis der Akkuwerkzeuge

Wenn Sie beide Werte haben, die Voltzahl und die Amperezahl, wird es richtig spannend. Denn nun können Sie ausrechnen, wieviel Energie der Akku zur Verfügung stellt. Auch dies ist wieder eine ganz einfache Rechenaufgabe:

Voltzahl multipliziert mit Amperezahl ist gleich Energie.

Oder, einfacher ausgedrückt: Volt (V) * Amperestunden (Ah) = Wattstunden (Wh)

Und genau diesen Wert benötigen Sie, wenn Sie die Energieleistung von Akkuwerkzeugen vergleichen möchten.

Beispiele: Ein 10,8-Volt-Akku mit 1,5 Ah bietet 16,2 Wh. Ein 18-Volt-Akku mit 0,8 Ah bietet 14,4 Wh. Ein 7,2-Volt-Akku mit 2 Ah bietet ebenfalls 14,4 Wh. Ein 18-Volt Akku mit 1,6 Ah bringt 28,8 Wh, ebenso wie ein 9,6-Volt-Akku mit 3 Ah.

Auf den Anwendungszweck kommt es an

Doch nicht nur die Kennzahlen Volt, Amperestunden und Wattstunden sind für den Kauf eines Akkuwerkzeugs ausschlaggebend. Wichtig ist zum Beispiel auch, welche Art von Gerät Sie benötigen und wie es eingesetzt werden soll. 

  • Sollen hohe Dreh- oder Hubzahlen erreicht werden, etwa für Bohr- und Sägearbeiten, sollten Sie auf höhere Voltzahlen achten.
  • Bei Schraubarbeiten ist vor allem das Drehmoment entscheidend, angegeben in Nm (Newtonmeter). Während einfache Akkuschrauber mit 3 Nm auskommen, können kräftige Bohrmaschinen durchaus mit einem Drehmoment von 160 Nm aufwarten.
  • Die Leerlaufzahl gibt an, wie viele Umdrehungen pro Minute im Leerlauf gemessen wurden (oft auch angegeben als min-1). Bei einem Akkuschrauber können dies vielleicht 210 Umdrehungen/Minute sein, beim Akkuschraubbohrer durchaus 2.300 UpM.
  • Ladegeräte und Ladedauer sind weitere wichtige Kaufkriterien: Elektronische gesteuerte Schnellladegeräte ermöglichen Schnellladungen, die die Lebensdauer der Akkus wesentlich verlängern. Ob ein Akku nur fünfzig- bis hundertmal aufgeladen werden kann oder bei Stundenladern 1.000 Mal oder gar bis zu 3.000 Mal bei 10 Minuten Ladedauer, macht einen großen Unterschied. 
  • Eher pragmatische Kaufkriterien beim Kauf von Akkuwerkzeugen sind mitgeliefertes Zubehör (und dessen Qualität), Gewicht und Handlichkeit der Geräte. Mit einem schweren, unhandlichen Akkuschrauber auf der Leiter zu arbeiten macht kein Vergnügen. Weiche Bits, die nach dem ersten Einsatz bereits unbrauchbar sind, können auch nicht über die Restmenge an Bits hinwegtrösten. 
  • Einige Hersteller bieten inzwischen auch die Möglichkeit, die gleichen Akkus und die gleiche Ladestation für unterschiedliche Geräte zu verwenden – für manchen Heimwerker und auch Profi sicher ein wichtiges Argument, da dies Anschaffungskosten und Lagerkapazität spart und die Arbeitsprozesse erleichtert und beschleunigt.

Wenn Sie beim Kauf von Akkuwerkzeug auf alle diese Kriterien achten, werden Sie sich wohl kaum von hohen Voltzahlen in der Werbung blenden lassen, sondern genau das Gerät finden, das zu Ihren Anwendungszwecken passt.

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